Autoren: Dr. Vinicius Rabelo und Dr. Eduardo Fregnani
Angesichts der zahlreichen Innovationen im medizinischen und zahnmedizinischen Bereich, der steigenden Lebenserwartung der Patienten sowie der zunehmenden Zahl chronisch kranker und medikamentenabhängiger Patienten ist es unerlässlich, sich besser zu informieren. Zudem befinden wir uns im Zeitalter der evidenzbasierten Zahnmedizin bzw. Medizin, in dem jeder Facharzt bei seinen klinischen Entscheidungen Kriterien anwendet, die sich aus einem individuellen Prozess der Verknüpfung von klinischer Erfahrung, Patientenwünschen und den auf der besten wissenschaftlichen Evidenz basierenden Leitlinien ergeben.
Situationen bewerten und erkennen
Der Zahnarzt muss darauf vorbereitet sein, Situationen zu beurteilen und zu erkennen, die eine Abweichung von den herkömmlichen Verfahren erfordern. Eine umfassende und sorgfältige Anamnese, bei der man versucht, den Patienten kennenzulernen, sein physisches, psychisches, soziales und kulturelles Umfeld zu erfassen und seine Beschwerden und Bedenken zu identifizieren, ist von grundlegender Bedeutung. Der Fragebogen sollte alle häufigsten Erkrankungen abdecken, doch das Gespräch ist unerlässlich, um mögliche falsch-positive und falsch-negative Befunde sowie andere potenziell relevante Informationen zu ermitteln. Das Nicht-Erkennen eines Risikofaktors für die zahnärztliche Behandlung und dessen Nichtanpassung an die festgestellten Bedürfnisse ist ein wichtiger Indikator für Vertrauensverlust oder ein mögliches Scheitern der Behandlung.
Etwa 25 % der Patienten, die eine zahnärztliche Behandlung in Anspruch nehmen, weisen mindestens einen potenziell relevanten systemischen Faktor auf. Angesichts der Fortschritte in der Medizin ist ein deutlicher Anstieg der Überlebensrate von Patienten mit chronischen nichtübertragbaren Krankheiten (CNCD) zu beobachten, darunter Herzerkrankungen, Krebs, Schlaganfälle oder Prothesen.
Daher sollte die Zahnmedizin auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Berufsgruppen setzen und mit Ärzten, Physiotherapeuten, Logopäden, Psychologen, Pflegekräften und anderen Fachkräften zusammenarbeiten, die diese Patienten betreuen.
Ursachen für postoperative Komplikationen im Mundbereichtchirurgischen Eingriffen
Es gibt verschiedene Ursachen für orale Komplikationen nacht. Zu nennen sindhier hämatologische Ursachen, Grunderkrankungen (Diabetes, systemischer Bluthochdruck, seltene Syndrome, Osteoporose), der Konsum illegaler Drogen, Infektionen, Blutungsereignisse sowie verschiedene Aspekte der Krebsbehandlung, darunter Chemotherapie, Strahlentherapie und der Einsatz von antiresorptiven Medikamenten.
Daher sollten Zahnärzte in ihrer täglichen Praxis auf folgende Punkte achten, um die häufigsten postoperativen Komplikationen zu vermeiden:
- Vorbeugen: Infektionen, Blutungen, Osteonekrose, Osteoradionekrose.
- Zu beachten: Schmerzen, Veränderungen im Heilungsprozess, Blutungen.
- Erhaltung: die oralen Funktionen des Kauens, Schluckens und der Sprachbildung.
- Behandlung: Mögliche orale und systemische Komplikationen bei Patienten mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Prävention postoperativer Infektionen
Zur Vorbeugung postoperativer Infektionen muss die Anwendung einer Antibiotikaprophylaxe, sofern sie tatsächlich indiziert ist, den technischen Anforderungen entsprechen, die in den in der Fachliteratur veröffentlichten Leitlinien mit höchster wissenschaftlicher Stringenz empfohlen werden. Im Allgemeinen folgt der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Zahnmedizin Grundsätzen, die sich auf den Immunstatus der zu behandelnden Patienten, das Vorliegen systemischer Anzeichen, die auf eine Ausbreitung der Infektion hindeuten, sowie auf die Prävention einer infektiösen Endokarditis beziehen. Es ist stets ratsam, sich vor Augen zu halten, dass der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Zahnmedizin nach wie vor ein umstrittenes Thema ist und unter Berücksichtigung des Risikos und des Nutzens der Indikation von Fall zu Fall bewertet werden muss.
Begleitmaßnahmen
Es können weitere unterstützende Maßnahmen ergriffen werden, wie beispielsweise die Empfehlung zur Verwendung von Mundspülungen auf Basis von 0,12 %igem Chlorhexidindigluconat (KIN Gingival Complex), und zwar bereits in der unmittelbaren präoperativen Phase (5–7 Tage), wenn das Ziel darin besteht, die mikrobielle Belastung in der Mundhöhle zu reduzieren, um den bereits vor dem geplanten chirurgischen Eingriff (z. B. Extraktionen, Implantate, Parodontalchirurgie usw.) bestehenden Entzündungsprozess zu mindern. Dieser Prozess kann verbessert werden, wenn Zahnpasten auf Basis von Chlorhexidindigluconat während bestimmter Behandlungsphasen (z. B. während der Parodontalbehandlung) in die Mundhygienemaßnahmen der Patienten aufgenommen werden. In diesen Fällen kann die Verwendung von KIN Forte Zahnfleisch mit 0,05 % Chlorhexidindigluconat eine praktische Option sein, die den Patienten unter Anleitung eines Zahnarztes angeboten oder empfohlen werden kann.
Die Indikation für die Verwendung von Mundspülungen nach chirurgischen Eingriffen gehört ebenfalls zu den Empfehlungen, die eine gute wissenschaftliche Evidenzbasis für die Prävention postoperativer infektiöser Komplikationen in der Zahnmedizin aufweisen. Nach einer anfänglichen Wartezeit von 48 Stunden, die der Bildung und dem Erhalt eines wirksamen Blutgerinnsels an der Operationsstelle dient, können Mundspülungen mit antimikrobieller Wirkung angewendet werden. Ihre Anwendung zielt darauf ab, die Bildung von Biofilmen an der Operationswunde und den Nähten zu reduzieren. In diesen Fällen kann der Zahnarzt KIN Gingival Complex (Panthenol, Allantoin, CPC und 0,12 % Chlorhexidindigluconat) und/oder die kombinierte Anwendung von Chlorhexidin-Gel und Hyaluronsäure an Extraktionsstellen oder nach einer Gingivoplastik (z. B. PerioKIN Hyaluronic) verschreiben.
Bei der Prävention und Behandlung von Blutungen im Mundraum sind die in der Anamnese ermittelten Risikofaktoren zweifellos von entscheidender Bedeutung. Dazu gehören die korrekte Anordnung und Auswertung von Zusatzuntersuchungen, sofern dies aufgrund der Anamnese eindeutig angezeigt ist. Doch selbst nach einer sorgfältigen klinischen Beurteilung des Patienten und der ergänzenden Untersuchungen können Blutungsereignisse aufgrund lokaler ätiologischer Faktoren auftreten (z. B. anatomische Variationen, vergrößerte Gefäße, erhöhte lokale Fibrinolyse aufgrund von Infektionen und behandelten nichtentzündlichen Prozessen). In diesen Fällen ist es unerlässlich, Fachwissen mit der Verfügbarkeit zuvor ausgewählter lokaler hämostatischer Methoden zu kombinieren.
Lokale blutstillende Methoden
Unter den in der wissenschaftlichen Literatur am häufigsten genannten und erforschten lokalen hämostatischen Methoden sticht Tranexamsäure hervor. In ihrer aktuellen Formulierung (Kin Exogel) ermöglicht sie eine höhere Substantivität und lokale Wirkung ohne erkennbare systemische Resorption, da ihr Trägerstoff in Form eines oral anzuwendenden bioadhäsiven Gels vorliegt. Ihr Einsatz kann bei alveolären und gingivalen Eingriffen oder nach der Entnahme von Biopsien von großem Nutzen sein, insbesondere in Kombination mit einer massiven Naht. Es wirkt, indem es den lokalen Fibrinolyseprozess und den Einfluss des Speichels auf das während des chirurgischen Eingriffs neu gebildete Gerinnsel hemmt. Auf diese Weise ermöglicht Tranexamsäure, dass sich das Gerinnsel stabilisiert, bevor es durch die Proteasen des im menschlichen Speichel vorhandenen fibrinolytischen Systems schnell aufgelöst wird.
Es ist wichtig zu betonen, dass wir zur Erzielung einer hervorragenden Blutstillung stets eine möglichst schonende Operationstechnik anwenden müssen, die eine angemessene Repositionierung der Lappen und eine korrekte Koaptation der Wundränder sowie eine adäquate Nahttechnik umfasst.
Der Chirurg spielt eine entscheidende Rolle bei der lokalen Überwachung und Versorgung, um postoperative Komplikationen zu vermeiden. Er erkennt systemische Probleme, plant seine Eingriffe unter Einbeziehung wirksamer lokaler Maßnahmen und gibt den Patienten klare und effiziente Anweisungen.

Wie kann man Mundtrockenheit lindern?
Welche Zahnpasta eignet sich am besten für empfindliche Zähne?
RDA in Zahnpasten: Was bei der Empfehlung zu beachten ist


